Welche Auswirkungen der Antreiber „Sei stark“ auf Ihre Führungsrolle hat!
 
Liebe Leserin, lieber Leser,

eine der wichtigsten Führungsaufgaben ist es, sich um die eigene Persönlichkeitsentwicklung zu kümmern. Das Antreiberkonzept aus der Transaktionsanalyse bietet einen leichten Zugang für jede Leitungskraft in der ambulanten Pflege sich ihre Schwächen und Stärken bewusst zu machen.

Erfahren Sie im heutigen Führungsimpuls, welche Stärken der Antreiber „Sei stark“ hat, welche Auswirkungen er auf Ihre Führungsrolle hat und wie Sie diesen Antreiber abmildern können, um in Ihrer Führungsarbeit noch erfolgreicher zu sein.

Darüber hinaus verrate ich Ihnen meine beiden höchsten Antreiber und wie ich damit umgehe, um gelassener zu werden.
   
 
 
 
   
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Urban
   
   
Annett Urban,
Chefredakteurin „pdl.konkret ambulant“, fragt für Sie:
   
   
   
 
Hallo, liebe Claudia,

ich glaube, dass ich ein starker Typ bin. Ich bin sehr gut darin, Herausforderungen anzunehmen, halte auch in Schwierigen Situationen durch und finde immer einen Weg um Hindernisse zu überwinden.

Doch wenn man ständig versucht stark zu sein und sich nie erlaubt, sich zu erholen oder um Hilfe zu bitten, kann dies nicht nur zu physischen und emotionalen Problemen, sondern auch zu einem Burnout führen.

Und so wie mir geht es auch vielen Leitungskräften in der Pflege.

Dabei ist es doch viel gesünder, wenn wir starken Typen lernen Schwächen zu akzeptieren, um Unterstützung zu bitten und uns selbst erlauben, menschlich zu sein!

Daher bin ich gespannt auf Deine Tipps, wie uns dieses Umdenken gelingen kann.

Herzlichst

Deine Annett
 
 
 
 
 
 
   
Urban
   
   
Claudia Henrichs,
Kommunikationsexpertin für die Pflege, antwortet:
   
   
   
 
Was der Antreiber „Sei stark“ für Ihre Leitungsrolle bedeutet
 
Liebe Annett, liebe Leserin, lieber Leser,

da Leitungskräfte mit einem ausgeprägten „Sei stark“-Antreiber ihre Emotionen unter Kontrolle halten wollen, sich nach außen als unangreifbar darstellen und andere Menschen kaum an sich heranlassen, fällt es ihnen oft schwer eine teamorientierte Beziehung zu ihren Mitarbeitenden aufzubauen. Dies kann im Team zu Frustration führen.

Die Sprache

Diese Sätze benutzen „Starke“ oft:
„Wie es drinnen aussieht, geht keinen etwas an!“
„Ich bin auf das Schlimmste gefasst!“
„Mich erschüttert nichts so leicht!“
„Ich schaffe das alles allein!“
Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet eine „Starke“ oft: „Muss ja!“

Die Stärken

Jeder Antreiber hat auch seine positiven Seiten. Leitungskräfte mit einem hohen „Sei stark“-Antreiber“ sind echte Krisenmanager, durchhaltefähig, durchsetzungsstark und wirken wie ein Fels in der Brandung.

Erlauber

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr „Sei stark“-Antreiber zu hoch ausgeprägt ist, dann erlauben Sie sich doch einmal diese Denkweise:
„Gefühle zeigen ist ein Zeichen von Stärke!“
„Ich muss nicht immer stark sein!“
„Es ist in Ordnung zu vertrauen!“
„Ich kann um Hilfe bitten und verliere nicht mein Gesicht!“
„Ich darf meine Rüstung ablegen. Auch wenn es mir zunächst noch Unbehagen bereitet!“

Schreiben Sie sich den Satz, der sie am meisten anspricht auf ein Post It und kleben Sie sich den Zettel an die Kühlschranktür, den Computer oder den Badezimmerspiegel. Erlauben Sie sich Ihren Antreiber „Sei stark“ ein wenig nach unten zu schrauben, wenn Sie den Eindruck haben, er ist zu hoch.

Ganz wichtig!

Freuen Sie darüber, dass der Antreiber „Sei stark“ Ihnen viele Ressourcen schenkt, die Sie als Führungskraft in der ambulanten Pflege ohne viel Energieaufwand einsetzen können!
 
Welcher Antreiber führt bei Ihnen zu Stress und Überforderung?
 
Mit diesem Service-Newsletter haben Sie nun alle fünf Antreiber kennengelernt.

Möglicherweise haben Sie sich in allen fünf Beschreibungen ein wenig wiedergefunden. Das ist auch ganz normal so. Wir alle haben Anteile von jedem Antreiber in uns. Und das Schöne ist, dass jeder Antreiber auch gute und zieldienliche Seiten hat.

Sind einer oder mehrere Antreiber allerdings zu stark ausgeprägt, führt das schnell zu Stress und Überforderung. Als Leitungskraft in der ambulanten Pflege gilt es, genau das zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren.

Wenn Sie wissen wollen, welcher Antreiber bei Ihnen am höchsten ausgeprägt ist, dann gehen Sie auf die Seite der Uni Münster und machen den Antreibertest. Einfach auf diesen Link klicken.
 
Meine höchsten Antreiber und wie ich damit umgehe
 
Wenn Sie den Antreibertest gemacht haben, dann wissen Sie, dass Werte ab 30 Punkte als hoch ausgeprägt gelten. Hoch ausgeprägt bedeutet, dass Ihr Umfeld diese Antreiber sehr deutlich wahrnimmt. Mit allen Schwächen und Stärken.

Meine beiden höchsten Antreiber sind „Sei perfekt“ und „Sei stark“ mit jeweils 40 Punkten. Zum Glück sind mir diese beiden Begleiter schon lange bewusst. Das heißt, in den meisten Situationen fällt es mir auf, dass die Antreiber mich im wahrsten Sinne des Wortes antreiben.

Wenn es wieder einmal so ist, dann stelle ich mir vor, ich reguliere den Schieberegler ein wenig nach unten.

Wenn ich zum wiederholten Mal ein Handout überarbeiten will, halte ich inne und prüfe, ob das wirklich notwendig ist.

Wenn meine Mitarbeiterin ihren Schreibtisch wie Kraut und Rüben hinterlässt, nehme ich das mittlerweile gelassen hin, sofern sie alles wiederfindet und ihre Termine einhält.

Wenn mich etwas ärgert, belastet oder traurig macht, spreche ich schneller als früher darüber und freue mich, dass mein Umfeld mich gerne unterstützt.

Ich habe mich in meiner Persönlichkeit entwickelt und dadurch mein Stresslevel verringert. Genau das wünsche ich Ihnen auch!

Ich hoffe, auch mein heutiger Führungsimpuls hat Ihnen gefallen. Schreiben Sie mir gerne, welche Erfahrungen Sie bei der Umsetzung gemacht haben. Haben Sie konkrete Führungsthemen, die ich in einer der nächsten Folgen für Sie aufbereiten soll? Sehr gerne! Schreiben Sie mir unter fuehrungsimpulse@ppm-online.org. Ich freue mich auf Ihre Nachricht!

Herzliche Grüße,
Ihre Claudia Henrichs

PS: Sie haben unsere ersten Folgen verpasst? Kein Problem auf www.pdl-konkret.de/Fuehrungsimpulse finden Sie alle bislang erschienenen Folgen von „Führungsimpulse“ zum Nachlesen und Nachhören.

PPS: Dieses Zitat zum heutigen Thema habe ich für Sie mitgebracht:
 
 
 
Zitat der Woche
„Ich bin zu stark, um schwach zu sein. Aber zu schwach, um wirklich stark zu sein.“

Horst Bulla, Dichter und Autor