Welcher Antreiber führt bei Ihnen zu Stress und Überforderung?
 
Liebe Leserin, lieber Leser,

„Sei perfekt!“, „Mach schnell!“, „Streng Dich an!“, „Mach es allen recht!“, „Sei stark!“ Das sind innere Antreiber und wir alle kennen mindestens einen davon recht gut. Je nachdem wie stark sie ausgeprägt sind, führen diese Dynamiken zu Stress und Erschöpfung. Das Konzept der inneren Antreiber wurde von dem Psychologen Taibi Kahler entwickelt.

Antreiber sind Lebensregeln, die wir zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr von unseren wichtigsten Bezugspersonen gelernt haben und unser Erwachsenenleben stark prägen. Meistens haben wir unsere Antreiber so sehr verinnerlicht, dass sie uns gar nicht mehr auffallen. Da wir unsere eigenen inneren Überzeugungen oft in Form von Erwartungen auf andere Personen übertragen, ist es für Führungs- und Leitungskräfte wichtig, sich der eigenen inneren Antreiber bewusst zu machen.

Erfahren Sie im heutigen Führungsimpuls, was die fünf Antreiber im Einzelnen bedeuten und prüfen Sie einmal, welche Lebensregel Ihr Führungsverhalten beeinflusst.
   
 
 
 
   
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Urban
   
   
Annett Urban,
Chefredakteurin „pdl.konkret ambulant“, fragt für Sie:
   
   
   
 
Liebe Claudia,

ich bin ja ehrlich: wenn ich gelobt werde, dann treibt mich das zu Höchstleistungen an. Doch wenn jemand meine Arbeit kritisiert, dann suhle ich mich in Selbstmitleid und Zweifel an meinem Können.

Und weil ich Kritik von Außenstehenden und mein Selbstmitleid natürlich vermeiden möchte, strenge ich mich stets an, um meine Aufgaben schnell und perfekt zu erledigen, damit keiner ein Haar in der Suppe findet.

Leider ist es aber so, dass es auch sehr anstrengend sein kann, stets perfekt und stark zu sein.

So wie mir geht es auch vielen PDLern. Zwar hat jede PDL ihren eigenen Antreiber, doch es kommt durchaus vor, dass man von seinem Antreiber nicht nur angetrieben, sondern auch gestresst wird.

Daher glaube ich, dass es für eine PDL von großer Bedeutung ist, sich seinem inneren Antreiber bewusst zu sein, da dieser ja auch einen erheblichen Einfluss auf das Führungsverhalten und das Arbeitsumfeld haben kann.

Da Du mir einmal erzählt hast, dass es sogar ein Konzept zum Thema „innere Antreiber“ gibt, würde ich mich freuen, wenn Du Dich heute diesem Thema annimmst.

Herzlichst, Annett
 
 
 
 
 
 
   
Urban
   
   
Claudia Henrichs,
Kommunikationsexpertin für die Pflege, antwortet:
   
   
   
 
Die fünf Antreiber
 
„Sei perfekt!“

Menschen mit einem ausgeprägten „Sei Perfekt“ – Antreiber leisten viel und versuchen die Dinge 100% richtig zu machen. Als Kind hatten sie das Gefühl Bedingungen erfüllen zu müssen, um angenommen und geliebt zu werden.

Als Erwachsene stellen sie die eigene Person zurück und versuchen, sich durch eine perfekte Leistung Wertschätzung zu verdienen.

Mitarbeitende erleben im Umgang mit ihrer „Sei Perfekt“ – Leitung oft wenig Nähe, Kontakt, Beziehung oder Austausch.

Das Positive: Genauigkeit und Fehlerlosigkeit

„Mach schnell!“

Menschen mit einem ausgeprägten „Mach schnell“ – Antreiber versuchen, so viel wie möglich auf einmal zu schaffen. Für Wesentliches nehmen sie sich nicht die angemessene Zeit. Als Kind haben sie oft erlebt, dass ihre Bezugspersonen ungeduldig mit ihnen waren.

Als Erwachsene glauben sie, dass Zeit und Raum allzu sehr begrenzt sind und ihnen das Leben zerrinnt.

Im Umgang mit Mitarbeitenden redet die „Mach schnell“ – Leitung so viel wie möglich, weiß immer am schnellsten, wie was zu tun ist, stellt kaum offene Fragen und achtet selten auf die Reaktionen ihres Gegenübers.

Das Positive: Die Fähigkeit, Chancen zu nutzen

„Streng Dich an!“

Menschen mit einem ausgeprägten „Streng Dich an“ – Antreiber führen ihre Aufgaben mit der Sorge aus, dass sie es ohne Anstrengung nicht schaffen können. Erfolg durch Spaß ist ihnen suspekt.

Als Kind wurden sie dafür gelobt, dass sie sich angestrengt haben und nicht für das Ergebnis. Sie haben oft die Sätze: „Du schaffst das nicht!“ oder „Das ist nicht so einfach!“ gehört.

Als Erwachsene zählen Erfolge nichts, wenn sie nicht auf Anstrengung zurückzuführen sind.

Mitarbeitende erleben im Umgang mit ihrer „Streng Dich an“ – Leitung oft das Gefühl, das man ihnen nicht zutraut, leistungsfähig oder leistungsbereit zu sein.

Das Positive: Gründlichkeit und Durchhaltevermögen

„Mach es allen recht!“

Menschen mit einem ausgeprägten „Mach es allen recht“ – Antreiber fühlen sich dafür verantwortlich, dass es allen anderen gut geht. Ihnen ist wichtig, eine freundliche und harmonische Atmosphäre herzustellen.

Als Kind wurden sie von ihren Bezugspersonen nur dann akzeptiert, wenn sie sich angepasst haben.

Als Erwachsene fällt es ihnen schwer Nein zu sagen. Akzeptiert zu werden ist ihnen wichtiger als eigene Interessen durchzusetzen.

Mitarbeitende erleben im Umgang mit ihrer „Mach es allen recht“ – Leitung wenig klare Positionierung oder Grenzen. Es fällt ihnen leicht, die Gutmütigkeit ihrer Leitung auszunutzen.

Das Positive: Kompromissbereit und menschenorientiert

„Sei stark!“

Menschen mit einem ausgeprägten „Sei stark“ – Antreiber unterdrücken häufig ihre Gefühle und können andere Menschen nur schwer um Hilfe bitten.

Als Kind wurden sie von ihren Bezugspersonen nur dann akzeptiert, wenn sie keine unerwünschten Gefühle zeigten.

Als Erwachsene haben sie Angst, verletzt zu werden und stellen sich daher nach außen als stark und unangreifbar dar.

Mitarbeitende erleben im Umgang mit ihrer „Sei stark“ – Leitung in ihrer Mimik wenig Emotionen und fühlen sich daher oft verunsichert.

Das Positive: Unabhängigkeit und durchhaltefähig
 
Welcher Antreiber führt bei Ihnen zu Stress und Überforderung?
 
Möglicherweise haben Sie sich in allen fünf Beschreibungen wiedergefunden. Ich denke, wir alle haben auch von jedem Antreiber etwas in uns.

Sind einer oder mehrere Antreiber stark ausgeprägt, führt das schnell zu Stress und Überforderung. Als Leitungskraft in der ambulanten Pflege gilt es, genau das zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren.

Wenn Sie wissen wollen, wie stark Ihre Antreiber ausgeprägt sind, dann gehen Sie auf diese Seite der Uni Münster.
 
Welche Auswirkungen haben die Antreiber auf Ihre Führungsrolle?
 
In den nächsten Service Newslettern erfahren Sie zu den einzelnen Antreibern,
welche Stärken damit verbunden sind; denn jeder Antreiber hat auch seine guten Seiten.
Darüber hinaus gibt es Infos für Sie, wie Sie mit sogenannten „Erlaubern“ zu stark ausgeprägte Antreiber verringern können und
welche Auswirkungen Ihre Antreiber auf Ihre Führungsrolle haben.

Ich hoffe, auch mein heutiger Führungsimpuls hat Ihnen gefallen. Schreiben Sie mir gerne, welche Erfahrungen Sie bei der Umsetzung gemacht haben. Haben Sie konkrete Führungsthemen, die ich in einer der nächsten olgen für Sie aufbereiten soll? Sehr gerne! Schreiben Sie mir unter fuehrungsimpulse@ppm-online.org. Ich freue mich auf Ihre Nachricht!

Herzliche Grüße,
Ihre Claudia Henrichs

PS: Sie haben unsere ersten Folgen verpasst? Kein Problem auf www.pdl-konkret.de/Fuehrungsimpulse finden Sie alle bislang erschienenen Folgen von „Führungsimpulse“ zum Nachlesen und Nachhören.

PPS: Dieses Zitat zum heutigen Thema habe ich für Sie mitgebracht:
 
 
 
Zitat
„Du kannst nicht alle mit Deinem Tun begeistern. Selbst wenn Du über das Wasser läufst, kommt bestimmt einer und fragt, ob Du zu blöd zum Schwimmen bist!“

Berti Vogts, ehemaliger Fußballspieler und Trainer